Stress im Studium
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Abbrechen oder Durchziehen? Der Stressfaktor "Studium" sollte nicht unterschätzt werden.Das Studium ist angeblich die schönste Zeit des Lebens. Nie wird mehr gefeiert, hat man mehr Zeit für Reisen und Freizeit. Alte Grundsätze, die mit den neuen Studienabschlüssen scheinbar nicht immer zu vereinen sind. Oder doch? |
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Die Versprechungen, die mit den neuen Bachelorstudiengängen verbunden waren, wurden erfüllt und gleichzeitig gebrochen. In den Studienfächern, in denen früher viele Studenten scheiterten, sinkt die Abbruchquote. Im Sozialwesen beispielsweise kommen nur noch 10% nicht ans Ziel, 1999 waren es noch viermal soviele.
Auch in den Geisteswissenschaften gelingt es immer mehr Studenten, ihren Abschluss zu machen. Schaut man sich aber die Gesamtzahlen aller Bachelorstudiengänge an, bricht an Universitäten jeder Vierte und an Fachhochschulen jeder Dritte sein Studium ab. Nicht mitgerechnet die Studenten, die ihr Fach oder die Hochschule gewechselt haben.
Psychologische Beratungsstellen melden mehr Erstkontakte
Ein Hauptgrund für die hohe Abbruchquote ist die Lernstoffverdichtung. Die Studienzeit wird zeitlich gestrafft, ohne jedoch am Lehrplan Kürzungen vorzunehmen. Das Thema 'Stress im Studium' gehört zu den Begleiterscheinungen des Bolognaprozess. Zwar ist die Frage, ob Bachelorstudenten wirklich mehr Wochenstunden arbeiten als Diplomstudenten, noch nicht befriedigend evaluiert worden. Fakt ist allerdings, dass seit Einführung der neuen Abschlüsse die Zahl der Erstkontakte mit den psychologischen Beratungsstellen der Hochschulen um 20% angestiegen ist. Viele Studenten konsultieren die Hochschulpsychologen infolge von Ängsten, Schlafstörungen oder Unruhezuständen.
Mehr Stress im Bachelorstudium?
Gründe dafür werden in den starren und teilweise noch unausgereiften Lehrplänen der Bachelorstudiengänge und den vielen studienbegleitenden Prüfungen gesehen.
Viele Hochschulen haben Studien- und Prüfungsordnungen für Bachelor- und Masterstudiengänge erlassen, die in vielen Bereichen noch unausgereift sind. Teilweise herrscht Unklarheit über den Umfang der Leistungen, die für eine bestimme Anzahl von Kreditpunkten erbracht werden müssen. Außerdem steigt bei den neuen Studiengängen die Belastung zu Beginn des Studiums enorm, wenn viele Grundlagen-Veranstaltungen besucht werden müssen, bei denen das Bestehen einer Prüfung zum Schluss Pflicht ist. Der größte Unterschied zu den alten Abschlüssen liegt hier darin, dass bei Bachelor und Master so gut wie jede Leistung benotet wird und in die Gesamtnote beim Abschluss mit einfließt. Eine Art Orientierungsphase, wie sie die Diplomstudiengänge boten, die zu Beginn noch relativ wenig abschluss-relevante Prüfungsleistungen erwarteten, entfällt beim Bachelor. Vor allem dadurch, dass jede Note relevant für die Abschlussnote wird, heißt der Stress-faktor hier Leistungsdruck.
Vor allem in Punkto Flexibilität halten die neuen Abschlüsse nicht was sie versprechen. Zwar können jetzt Leistungen europaweit verglichen und anerkannt werden – das bedeutet aber nicht, dass es leichter wird ein Auslandssemester einzuplanen. Das Gegenteil ist eher der Fall. In den meisten Studiengängen sind für jedes Semester sogenannte Pflichtkurse vorgeschrieben, die nicht einfach ein Semester nach vorn oder hinten geschoben werden können, weil sie nicht in jedem Semester angeboten werden. Wer ins Ausland will, muss mindestens ein Jahr im Voraus damit anfangen Kurse vorzuziehen, sonst besteht die Gefahr, dass er ein ganzes Jahr länger studieren muss und damit verliert. Es sind nur sehr wenige, meist international ausgerichtete Studiengänge, die ein Auslandssemester von vorne herein eingeplant haben.
Torschlusspanik bei den Diplomstudenten
Bedenklich, aber nur in indirektem Zusammenhang zu Bachelor und Master, ist die Tatsache, dass auch die Zahl der Diplom- und Magisterstudenten, die Hilfe bei der psychologischen Beratung ihrer Hochschule suchen, im Vergleich zu den Vorjahren angestiegen ist. Viele haben Angst davor, ihr Studium nicht innerhalb der Regelstudienzeit bewältigen und dann gar nicht mehr abschließen zu können. Für die heißt der Stress-Faktor Zeitdruck. An den allermeisten Hochschulen sind die Diplom- und Magisterstudiengänge zu Auslaufmodellen geworden, die nur noch geführt werden, weil man gesetzlich dazu verpflichtet ist, den Studenten den Abschluss nach der Studienordnung zu gewähren, nach der sie ihr Studium aufgenommen haben. Dementsprechend stiefmütterlich werden die Studenten dieser Studiengänge an manchen Hochschulen behandelt.




