Studieren an der Fachhochschule
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Studieren an der Fachhochschule - Die theoretische Wissenschaft praxisnah angewandt.Der kleine Bruder der Universität - die Fachhochschule - ist immer weiter auf dem Vormarsch und gewinnt mehr Studenten. Die straffe Strukturierung des Studiums ist nicht das Einzige, das der Umstellung auf den Bachelor entgegen gekommen ist. |
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Eine Fachhochschule wird international als „University of Applied Sciences“ bezeichnet - also als ‚Hochschule der angewandten Wissenschaften‘. Eine Bezeichnung, die sehr treffend für das Prinzip dieser Hochschulform ist, die ein praxis- und anwendungsorientiertes Hochschulstudium bietet. Dabei können Fachhochschulen – anders als die Universitäten – zwar nicht auf eine lange Geschichte und Traditionen zurückblicken, die mehrere hundert Jahre überdauert haben, aber sie gelten als die Hochschulform, die eine realitäts-nahe Ausbildung anbietet. Nur ein Beispiel der vielen Möglichkeiten hier sind die Dualen Studiengänge.
Dabei kann man an einer Fachhochschule (fast) alles studieren, was an einer Universität auch möglich ist. Der Schwerpunkt liegt allerdings im Bereich der Ingenieurwissenschaften. Andere Studienrichtungen sind:
- Wirtschaftswissenschaften
- Agrar-/Forstwirtschaft
- Medien und Informationswesen
- Gesundheits-/Sozialwesen
- Gestaltung/Design
Studieren an einer Fachhochschule kann man die reinen Geisteswisschenschaften nicht – sie bleiben den Universitäten vorbehalten.
Die Fachhochschulen und Bologna
Der Bologna-Prozess ist den Fachhochschulen eigentlich sehr entgegen gekommen.
Bei der Einführung von Bachelor und Master wurden immer wieder Stimmen laut, dass das Studium durch die stärkere Strukturierung und die Verkürzung der Studienzeit immer mehr verschult würde – das war beim Studieren an den Fachhochschulen nicht der Fall, da ein Studium hier schon immer eine stärkere Struktur besaß als an den Universitäten. Zwar mussten auch die Fachhochschulen neue Studiengänge mit den Abschlüssen Bachelor und Master entwickeln, allerdings waren die einschneidenden Veränderungen hier weniger tiefgreifend.
Ganz im Gegenteil, so konnte die Hochschulform Fachhochschule sogar von Bologna profitieren, da während des Verlaufes ihre Abschlüsse aufgewertet wurden. Bisher galt nämlich die Kennzeichnungspflicht für Diplomabschlüsse, die an einer Fachhochschule erworben wurden. Sie mussten hinter der Abkürzung Dipl.-Ing. den Zusatz (FH) führen. Diese Pflicht entfällt bei den neuen Bachelor und Masterabschlüssen. Ein Bachelor of Engineering zum Beispiel darf immer die Abkürzung B. Eng. hinter seinem Namen führen – egal an welcher Hochschulform er den Titel erworben hat.
Besonderheiten beim Studieren an der Fachhochschule
- Mehrwöchige Praktika, Projektphasen und teilweise auch Praktikumssemester sind fest im Studienverlauf integriert.
- Regelstudienzeit und Prüfungsanforderungen an einer Fachhochschule sind genauso wie beim Studium an einer Universität.
- Die Stundenpläne für das Studieren an einer Fachhochschule werden häufig sehr streng gehandhabt. Es gibt weniger freie Wahlmöglichkeiten als an der Universität. Dafür ist das Studium dadurch in manchen Fällen besser organisiert.
- In der Regel sind die Kurse an einer Fachhochschule kleiner als an einer Universität. Ein Studiengang hat meistens weniger Studenten.
- Fachhochschulen haben kein Promotionsrecht. Man kann zwar nach dem Master auch hier wissenschaftlich tätig sein, darf aber nicht promovieren.
- Forschungsaufträge richten sich hier nicht an einen bestimmten Lehrstuhl oder Professor sondern an die gesamte Hochschule. Noch sind die Fachhochschulen gegenüber den Universitäten in bezug auf Reputation und technische Ausstattung was die Forschung angeht schlechter aufgestellt.
- Vor allem im technischen Bereich werden Absolventen von einer Fachhochschule auf Grund ihrer größeren Praxiserfahrung von der Wirtschaft sehr geschätzt.
- Für das Studieren an der Fachhochschule reicht auch die Fachhochschulreife, die mit dem Fachabitur erworben wird. Eine allgemeine Hochschulreife durch das Abitur wie bei den Universitäten ist nicht erforderlich.
- Der Frauenanteil an der FHs liegt nur bei etwa 30% - an den Universitäten liegt dieser bei über 50%. Das hängt vielleicht mit dem Fehlen der Geisteswissenschaften an der FH zu tun – diese werben deswegen aber auch verstärkt um weibliche Studenten.
Ansehen und Reputation der Fachhochschulen
Fachhochschulen konnten ihr Ansehen in ihrer bisher 50-jährigen Geschichte immer weiter steigern. Mussten sich die Studenten anfangs noch rechtfertigen, warum sie ‚nur‘ eine FH und keine Uni besucht haben, werden heute in manchen Bereichen die Absolventen eine FH sogar mehr geschätzt als die Uni-Kommilitonen, die häufig als realitäts-ferne Fachidioten abgetan werden. Zwar hat der Bologna-Prozess diese Lücke zwischen Theorie und Praxis vorerst etwas geschlossen, aber sie ist trotzdem weiter erkennbar. Nur in Punkto wissenschaftliche Karriere kann die Hochschulform Fachhochschule auf Grund des fehlenden Promotionsrechts noch nicht ganz mit ihren ‚großen Brüdern‘ mithalten, da es aber – sehr zum Ärger der Universitäten - vor allem im Bereich der Forschung auch immer mehr Interesse an den Tätigkeiten der Fachhochschulen gibt, kann sich das vielleicht auch noch irgendwann ändern.




