Was ist ein Bachelor?
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Alle reden davon. Aber was ist jetzt eigentlich ein Bachelor?Die Reform der Hochschulabschlüsse in Deutschland und Europa wurde breit diskutiert. Was hat es mit der Bachelor-Einführung nun genau auf sich? |
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Wer derzeit einen Blick in die Studienordnungen in Deutschlands Hochschulen wirft, wird kaum noch einen der alten, traditionellen Diplom- oder Magisterstudiengänge finden. Stattdessen trifft man auf eine Vielzahl neuer Bachelor-Studiengänge. Grundsätzlich ist der Bachelor per Definition ein akademischer Grad, der von einer Hochschule nach Abschluss eines wissenschaftlichen, berufsqualifiziernden Studiums vergeben wird.
Der Bachelor historisch betrachtet
Das Wort „Bachelor“ lässt sich etymologisch auf das Wort „Bakkalaureus“ zurückführen, was so viel wie „Junggeselle“ bedeutet. Nach Gründung der ersten Hochschulen in Europa wurde der Begriff schnell zum Titel für Hochschulabsolventen – die damals noch ausschließlich männlich waren.
Im Rahmen des Bologna-Prozesses wird nun der Bachelor eingeführt und gleichzeitig die alten Diplom- und Magisterstudiengänge nach und nach abgeschafft. Der Prozess soll durch die Einführung eines zwei-stufigen Abschlusssystems bis zum Jahr 2010 einen einheitlichen europäischen Hochschulraum schaffen, dem sich mittlerweile 47 Nationen angeschlossen haben. Demnächst wird es also in diesen 47 Nationen Studiengänge geben, die alle mit dem Bachelor und dem Master abgeschlossen werden können und die dadurch alle in ihren Leistungen miteinander vergleichbar sind.
Das Bachelor Studium - die wichtigsten Vorteile gegenüber dem Diplom
- Verkürzung der Studienzeiten
- Verbesserte und schnellere Berufsqualifizierung
- Vereinheitlichung des Abschlusses und Anerkennung der Studienleistungen innerhalb der Europäischen Union
- Förderung der Mobilität der Studentinnen und Studenten
- Modernisierung vieler Studienordnungen durch die Umstellung auf den Bachelor
Der Aufbau des Bachelor-Studiums
Ein Bachelor-Studium dauert in der Regel drei Jahre, umfasst also sechs Semester. Die Höchstgrenze von acht Semestern kann in der Regel nicht überschritten werden. Mit einem Master-Studium von zwei bis vier weiteren Semestern kann - direkt danach oder nach einer Berufstätigkeit - darauf aufbauend das Fachwissen weiter ausgebaut werden.
Während des Bachelor-Studiums sollen fachliche Kenntnisse, die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens, sowie Sprachkenntnisse und soziale Kompetenzen vermittelt werden. In vielen Studiengängen ist darüber hinaus ein Praktikum verpflichtend. Dabei wird an Fachhochschulen, die generell eher praxisorientiert ausbilden, meist ein ganzes Praktikumssemester verlangt, während an Universitäten das Praktikum häufig in den Ferien absolviert werden soll. Häufig wird auch ein Auslandssemester verlangt, da hier wichtige interkulturelle Kompetenzen gesammelt werden können.
Das Besondere des neuen Bachelorabschlusses im Vergleich zu den alten Diplom- und Magisterstudiengängen ist die Modularisierung. Das Studium besteht aus einer Reihe fachbezogener Module, die das Studienfach in bestimmte Abschnitte gliedern. Ein Modul besteht meist aus zwei aufeinander bezogenen Lehrveranstaltungen wie Vorlesungen, Seminare oder Übungen und erstreckt sich meist über zwei Semester. Die einzelnen Noten ergeben schließlich zusammengerechnet die Durchschnittsnote für das jeweilige Modul. Diese werden dann wiederum später zur Abschlussnote zusammengefügt. Das modulare System macht das Studium nicht nur für die Studenten übersichtlicher, sondern dokumentiert so die einzelnen Leistungen der Studierenden.
Zusätzlich wurde mit dem Bachelor noch ein neues Punktsystem zu Bewertung von Leistungen eingeführt. Das „European Credit Transfer System“ (ECTS) ist ein einheitliches Leistungspunkte-System, das Studienleistungen innerhalb des europäischen Bildungsraumes vergleichbar machen und eine Anerkennung der bereits erbrachten Leistungen bei einem Hochschulwechsel erleichtern soll. Pro Semester soll der Student dabei etwa 30 ECTS erreichen. Dabei entspricht ein Punkt einem Arbeitsaufwand von etwa 30 Stunden. Beim Bachelor werden für Kurse in der Regel zwei oder vier Punkte angerechnet. Dafür ist neben regelmäßiger Anwesenheit meist ein Referat oder eine Hausarbeit erforderlich. Im Master werden in der Regel drei oder sechs Punkte pro Kurs angerechnet.
Der Abschluss - Die Bachelorarbeit
Das Bachelor Studium wird mit der Bachelorarbeit abgeschlossen. Diese wird nach dem letzten Fachsemester angefertigt und hat in der Regel einen Umfang von 30 bis 40 Seiten. Ziel der Arbeit ist der Nachweis, dass du in der Lage bist, ein Thema eigenständig und auf wissenschaftlicher Grundlage zu bearbeiten. Hierfür erhälst du zwischen sechs und zwölf Credit Points.
Folgen der Bachelor Einführung
Der Bachelor sollte das Studium an einer Hochschule vor allem mehr an der späteren Berufspraxis orientieren, da in den vergangenen Jahren Hochschulabsolventen immer wieder vorgeworfen wurden, dass der nötige Fachbezug fehle. Deswegen legen Hochschulen nun einen größeren Wert darauf, Projekte gemeinsam mit der Wirtschaft durchzuführen, bei denen die Studenten erste Einblicke in die Praxis bekommen können. Ebenso nimmt die Zahl der wissenschaftlichen Arbeiten, die von der Wirtschaft in Auftrag gegeben wurden, in den letzten Jahren stetig zu.
Außerdem steigt mit dem Bachelor die Tendenz, eher kleinere Seminare zu veranstalten. Vor allem in den Fachhochschulen, die schon immer eher in Richtung einer persönlicheren Betreuung und einer stärkeren Verschulung tendierten, hat sich dieser Trend noch verstärkt. Aber auch Universitäten sind jetzt stärker darum bemüht die Teilnehmerzahlen der Kurse zu beschränken. Was zum einen zur Folge hat, dass es an manchen Hochschulen sehr schwierig ist, in einen Kurs hineinzukommen. Auf der anderen Seite ist mit dem Bachelor auch die Zahl der Studiengänge gestiegen, die zulassungsbeschränkt sind, so dass die Studentenzahl von vornherein geringer gehalten wird.
Generell wirft man dem Bachelor vor, die deutsche Studienlandschaft zu verschulen. Im Vergleich z.B. zu den alten Magisterstudiengängen haben die Studenten nicht mehr ganz so viele Freiheiten sich ihre Stundenpläne frei zusammenzustellen, da die Modulauswahl hier teilweise sehr festgelegt ist. Außerdem ist man an vielen Hochschulen stark an die Unterschiede zwischen Sommer- und Wintersemester gebunden, d.h. dass bestimmte Kurse nur noch im Winter- oder nur noch im Sommersemester angeboten werden. Dies macht es schwieriger, ein Auslands- oder Praxissemester einzulegen. Auf der anderen Seite können aber gerade Leistungen, die im Ausland an einer Hochschule erbracht wurden, durch das ECTS System leichter im Studium an der Heimathochschule anerkannt werden.
Unterschiede zwischen den Bachelor-Studiengängen
Mit dem Bachelor wurden insgesamt sieben neue Abschlüsse im deutschen Hochschulsystem eingeführt. Diese beziehen sich jeweils auf einen bestimmten Fachbereich und zielen auf ein bestimmtes Berufsfeld ab, das je nach Fach mal mehr mal weniger eingeschränkt ist.
- Bachelor of Arts (B.A.)
- Bachelor of Science (B.Sc.)
- Bachelor of Engineering (B.Eng.)
- Bachelor of Laws (LL.B.)
- Bachelor of Education (B.Ed.)
- Bachelor of Fine Arts (B.F.A.)
- Bachelor of Music (B.Mus.)
Diese Abschlüsse können in folgenden Fächern oder Fächergruppen erlangt werden:
| Fächer/Fächergruppe | Abschluss |
|---|---|
|
Bachelor of Arts (B.A., Master of Arts (M.A.) |
|
Bachelor of Science (B. Sc.), Master of Science (M.Sc.) |
| Wirtschaftswissenschaften | Nach der inhaltlichen Ausrichtung des Studiengangs:Bachelor of Arts oder Bachelor of Science (B.A., B.Sc.) bzw. Master of Arts, Master of Science (M.A., M.Sc.) |
| Ingenieurwissenschaften | Bachelor of Engineering oder Bachelor of Science (B.Eng., B.Sc.), Master of Engineering oder Master of Science (M.Eng., M.Sc.) |
| Rechtswissenschaften | Bachelor of Laws (LL.B.), Master of Laws (LL.M.) |
| Freie Kunst | Bachelor of Fine Arts (B.F.A.), Master of Fine Arts (M.F.A.) |
| Künstlerisch angewandte Studiengänge, Darstellende Kunst |
Bachelor of Arts (B.A.), Master of Arts (M.A.) |
| Musik | Bachelor of Music (B.Mus.), Master of Music (M.Mus.) |
| Studiengänge mit denen die Voraussetzung für ein Lehramt vermittelt wird | Bachelor of Education (B.Ed.), Master of Education (M.Ed.) |
* Anmerkung: Betrifft nicht die staatlich geregelten Studiengänge
Quelle: Studien- und Berufswahl 2009/2010
An jeden dieser Abschlüsse kann ein entsprechender Masterstudiengang angeschlossen werden. Für manche Berufe, wie zum Beispiel Lehrer, Richter oder Arzt, ist ein Master zwingend erforderlich. Dabei unterscheidet man zwischen konsekutiven und nicht-konsekutiven Masterprogrammen, also solchen, die direkt auf einem Bachelor aufbauen und solchen, die das Studium eines anderen Faches ermöglichen.
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