Was ist ein Bachelor?

Hintergrundinfos zum Bachelor

Der Bachelor ist der erste Studienabschluss im Rahmen des mehrstufigen Bachelor-Master-Systems. Mit dem Bachelor Studium erwirbst Du in 3 Jahren einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss. Nicht zu verwechseln ist das Bachelor-Studium mit der gleichnamigen RTL-Serie. Dort steht der Begriff für die Bezeichnung "Junggeselle".
Was ist ein Bachelor

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte des Bachelors
Der Aufbau des Bachelor Studiums
Abschlüsse und Fachrichtungen
Auswirkungen des Bachelors

Die Geschichte des Bachelors

Das Wort „Bachelor“ lässt sich auf das lateinische Wort „Bakkalaureus“ zurückführen, was so viel wie „mit Lorbeeren gekrönt“ bedeutet.

Schon im Mittelalter bezeichnete der Bakkalaureus den Inhaber des untersten akademischen Grades. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschwand dieser akademische Grad in Deutschland. An seine Stelle trat das Abitur.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts führte die Bologna Reform den Bachelor Abschluss in Deutschland im Rahmen des neuen mehrstufigen Bachelor-Master-Systems wieder ein. Ziel des Bologna Prozesses war es, das europäische Hochschulsystem zu vereinheitlichen, um eine bessere Vergleichbarkeit und mehr Austausch zu ermöglichen. Die Bachelor- und Masterabschlüsse entsprechen mittlerweile in 47 Nationen einheitlichen Standards.

Die wichtigsten Vorteile des Bachelor Studiums

  1. Verkürzte Studienzeiten, schnellere Berufsqualifizierung
  2. Europaweit einheitlicher, international anerkannter Abschluss
  3. Flexibel gestaltbares Studium
  4. Modernisierte Studienordnungen mit erhöhter Berufsbezogenheit

Der Aufbau des Bachelor Studiums

Dein Bachelor Studium umfasst in der Regel 6 Semester. Darauf aufbauend kannst Du in einem 2 bis 4 Semester dauernden Master Studium Dein Fachwissen ausbauen und Dich weiterqualifizieren.
Das Bachelor Studium vermittelt Dir fachliche Kenntnisse und Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens. Darüber hinaus kannst Du Dir sprachliche und soziale Kompetenzen aneignen. In vielen Bachelor Studiengängen absolvierst Du zudem ein Praktikum: Fachhochschulen, die eher praxisorientiert ausbilden, halten Dir meist ein ganzes Praxissemester frei, während Du beim Universitätsstudium Praktika meist während der Semesterferien absolvierst. Im Bachelor Studium kannst Du außerdem im Rahmen eines freiwilligen oder verpflichtenden Auslandssemesters interkulturelle Erfahrungen sammeln.

Die Module im Bachelor Studium

Dein Bachelor Studium ist in mehrere thematische Abschnitte, die sogenannten Module, unterteilt. Ein Modul besteht aus aufeinander bezogenen Lehrveranstaltungen wie Vorlesungen, Seminaren und Übungen. Die Noten der einzelnen Veranstaltungen ergeben addiert Deine Durchschnittsnote für das jeweilige Modul. Alle Modulnoten fließen in Deine Abschlussnote ein. Das modulare System strukturiert Dein Bachelor Studium.

Das ECTS-System im Bachelor Studium

Mit dem Bachelor Studium wurde auch ein einheitliches Leistungspunktesystem zur Bewertung von Leistungen eingeführt: Das „European Credit Transfer System“ (ECTS) macht Studienleistungen innerhalb des europäischen Bildungsraumes vergleichbar und erleichtert so eine Anerkennung Deiner Leistungen bei einem Hochschulwechsel.
Bei einem 6-semestrigen Bachelor Studium musst Du in der Regel 180 Leistungspunkte (Credit Points) erreichen. Pro Semester sammelst Du im Schnitt 30 Credit Points. Ein Punkt entspricht einem 30-stündigen Arbeitsaufwand verteilt auf das Semester. Um das Studium innerhalb der Regelstudienzeit zu beenden, solltest Du auf das Jahr gerechnet eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden einplanen.
Credit Points erhältst Du im Bachelor Studium für die Teilnahme an Vorlesungen und Seminaren. Um einen Kurs erfolgreich abzuschließen, reicht in der Regel die bloße Teilnahme nicht aus. Meist sind Referate, eine Hausarbeit oder eine Klausur erforderlich. Die Anzahl der Punkte, die Du bekommst, richtet sich nach dem jeweiligen Arbeitsaufwand. Die Leistungspunkte werden unabhängig von Deinen Noten vergeben.

Die Bachelor Arbeit

Du schließt Dein Bachelor Studium mit der Bachelor Arbeit (auch Bachelor-Thesis) ab. Diese fertigst Du im letzten Fachsemester an. So zeigst Du Deine Fähigkeit, ein Thema eigenständig und auf wissenschaftlicher Grundlage zu bearbeiten. Je nach Bachelor Studiengang unterscheiden sich die Länge und der eingeplante Zeitaufwand der Arbeit sowie der Einfluss der Arbeit auf Deine Endnote. In der Regel verfasst Du 20 bis 60 Seiten und erhältst bei einem Arbeitsaufwand von 180 bis 360 Stunden zwischen 6 und 12 Leistungspunkte. Die Abschlussarbeit macht also meist nur einen kleinen Teil der Endnote aus.
In einigen Studiengängen musst Du darüber hinaus eine mündliche Abschlussprüfung bestehen.

Abschlüsse und Fachrichtungen

Je nach Studiengang schließt Du Dein Bachelor Studium mit einem von 8 verschiedenen Bachelor Graden ab:

  1. Bachelor of Arts (B.A.)
  2. Bachelor of Science (B.Sc.)
  3. Bachelor of Engineering (B.Eng.)
  4. Bachelor of Laws (LL.B.)
  5. Bachelor of Fine Arts (B.F.A.)
  6. Bachelor of Music (B.Mus.)
  7. Bachelor of Musical Arts (B.M.A.)
  8. Bachelor of Education (B.Ed.)

Diese Abschlüsse kannst Du im Rahmen eines Bachelor Studiums in folgenden Fachrichtungen erwerben:

Fach / Fächergruppe Abschluss
  • Sprach- und Kulturwissenschaften
  • Sport und Sportwissenschaften
  • Gesellschafts- und Sozialwissenschaften
  • Kunstwissenschaften
Bachelor of Arts / Master of Arts
  • Mathematik
  • Naturwissenschaften
  • Medizin*
  • Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften*
Bachelor of Science / Master of Science
  • Wirtschaftswissenschaften
Bachelor of Arts oder Bachelor of Science / Master of Arts oder Master of Science / 
Bachelor of Business Administration / 
Master of Business Administration
  • Ingenieurwissenschaften
Bachelor of Engineering oder Bachelor of Science / Master of Engineering oder Master of Science
  • Rechtswissenschaften
Bachelor of Laws / Master of Laws
  • Freie Kunst
Bachelor of Fine Arts / Master of Fine Arts
  • Künstlerisch angewandte Studiengänge
  • Darstellende Kunst
Bachelor of Arts / Master of Arts
  • Musik
Bachelor of Music / Master of Music
  • Studiengänge, die die Voraussetzung für ein Lehramt sind
Bachelor of Education / Master of Education
  • Musikwissenschaften
Bachelor of Musical Arts / Master of Musical Arts
* Anmerkung: Betrifft nicht die staatlich geregelten Studiengänge
Quelle: Studien- und Berufswahl 2009/2010
An jedes Bachelor Studium kannst Du einen Masterstudiengang anschließen. Du hast die Wahl zwischen konsekutiven Masterprogrammen, die inhaltlich direkt auf ein bestimmtes Bachelor Studium aufbauen, und nicht-konsekutiven Master Studiengängen, die Du unabhängig von Deinem Bachelor Abschluss belegen kannst.

Auswirkungen des Bachelors

Für Bildungsministerin Annette Schavan ist der Bachelor eine Erfolgsgeschichte. Mittlerweile sind über 85 % der Studiengänge an deutschen Hochschulen an das Bachelor-Master-System angepasst.
Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen: Wie geht es den Bachelor und Master Studenten heute? Wurden die hochgesteckten Ziele erreicht?

Verkürzte Studienzeiten, schnellere Berufsqualifizierung

Das Bachelor Studium ist zumeist auf 6 Semester angelegt. Somit hast Du nach 3 Jahren einen akademischen Abschluss, mit dem Dich laut einer Studie 84 % der deutschen Unternehmen einstellen würden. Nur 3 % der Bachelor Absolventen finden laut HIS (Hochschul-Informations-System GmbH) innerhalb eines Jahres keine Anstellung. Solche Zahlen ergeben sich allerdings auch aus der Tatsache, dass 77 % im Anschluss an das Bachelor Studium direkt ein Master Studium aufnehmen. Das dauert in der Regel weitere 4 Semester, sodass sich die gesamte Studienlänge auf 10 Semestern beläuft. Damit liegt sie sogar über der Regelstudienzeit vieler alter Studiengänge, die mit Diplom oder Magister abgeschlossen haben.

Europaweit einheitlicher, international anerkannter Abschluss

Die Einführung des Bachelor Studiums hat zu einer Vereinheitlichung des europäischen Hochschulsystems geführt. Damit regen die neuen Abschlüsse wie geplant den internationalen Austausch an. Laut des Statistischen Bundesamtes entschieden sich 2009 27 % der deutschen Bachelor- und Master-Studenten für einen Auslandsaufenthalt, während es zu Zeiten des Diploms nur 19 % waren. Ebenso stieg zwischen 1999 und 2011 der Anteil ausländischer Studierender in Deutschland von 6 % auf 8,3 %.

Die Vereinheitlichung hat aber auch Nachteile: Kritiker bemängelten eine Verschulung des Studiums, die keinen Platz für freie Entfaltungsmöglichkeiten lasse. Zudem kommt es bei Auslandssemestern häufig zu Problemen, da nicht alle Kurse, die Du laut Studienordnung belegen musst, jedes Semester angeboten werden.

Flexibel gestaltbares Studium

Es mag paradox klingen, dass ausgerechnet das Bachelor-Master-System mit seinen straffen Strukturen für mehr Flexibilität im Studium gesorgt hat. Tatsächlich ermöglicht die Trennung von Bachelor und Master vielen Studenten aber eine flexiblere Studiengestaltung. So ist es beispielsweise möglich, nach dem Abschluss des Bachelors einen neuen Schwerpunkt im Master Studium zu wählen oder sich in einem nicht-konsekutiven Master Studiengang thematisch neu zu orientieren. Zudem kannst Du Dein Master Studium an einer anderen Universität, in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land fortsetzten. Es ist auch möglich, nach dem Bachelor Studium erst einen Beruf aufzunehmen und Dein Studium nach einigen Jahren fortzusetzen.

Modernisierte Studienordnungen mit erhöhter Berufsbezogenheit

Das Bachelor Studium soll das Hochschulstudium praxisorientierter machen. Tatsächlich haben sich Hochschulen und Wirtschaft angenähert. Wirtschaftsunternehmen geben wissenschaftliche Arbeiten in Auftrag, mehr Studenten absolvieren während ihres Studiums ein Praktikum. Mit dem Bachelor Studium stieg auch die Tendenz zu kleineren Seminaren. In den Fachhochschulen, die schon immer auf persönlichere Betreuung setzten, hat sich dieser Trend verstärkt. Aber auch die Universitäten beschränken die Teilnehmerzahl der Kurse stärker. Daher ist es an manchen Hochschulen mittlerweile schwierig, bestimmte Kurse zu belegen. Mit Einführung der Bachelor Studiengänge stieg die Zahl der zulassungsbeschränkten Studiengänge, um die Studentenzahl an den Hochschulen klein zu halten.

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